Triumph: schwarz, mechanisch, elegant gekurvt – die frühen Schreibmaschinen aus der Produktion des in Nürnberg angesiedelten Konzerns Triumph-Adler AG, der 1896 von Siegfried Bettmann als Deutsche Triumph Fahrradwerke AG gegründet worden war. Man produzierte Fahrräder, bis man 1909 über den Kauf einer Konkursmasse ins Schreibmaschinengeschäft einstieg. 1911 folgte die Umbenennung in Triumph Werke Nürnberg AG und zwei Jahre später die Abspaltung vom englischen Mutterkonzern. Der Konstrukteur Paul Grützmann entwickelte die Triumph 1 und 2; berühmt wurde in den 20er Jahren die Nummer 10: die erste Schreibmaschine mit Setztabulator. Johannes Mario Simmel tippte seine Romane auf der Triumph Gabriele, die in
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Monthly Archives März 2014
Rand
RAND, althochdeutsch rand oder rant (weit verbreitet, s. spanisch randa, portugiesisch renda: Spitzen an Kleidern). Steht, so das Grimmsche Wörterbuch, mit ‚Rinde“ in einem Ablautverhältnis. Rand wird als Umronnenes, Umflossenes gedeutet; die allgemeine Bedeutung ist ‚etwas Umgebendes, Einfassendes“. In altgermanischer Zeit wurde der Begriff wesentlich in Bezug auf den Schild gebraucht, es bezeichnete den Metallbeschlag, der die Bretter zusammenhielt. Ein Rand also gibt als Grenze Halt und Schutz. Er verleiht Fassung. Die Redewendung „mit etwas zu Rande kommen“ geht auf diese Grundbedeutung zurück. Auch ein Ufer (Fassung des Landes) kann als „Rand“ bezeichnet werden, ebenso der Saum einer Tiefe, eines
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graniza / Grenze
graniza/Grenze: eines der wenigen westslawischen Lehnworte im Deutschen, übernommen im 13. Jahrhundert, als man Richtung Osten kolonisierte. Das heimische Wort ‚Mark‘ für „Grenze/Grenzgebiet“ wurde allmählich ersetzt. Polnisch: granica, „Grenze“, tschechisch hranice, russisch granica“.
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mangmang
MANGMANG: abgeleitet aus den Worten mang für ‚Granne‘ und wang für ‚Ährenborste‘ bedeutet das chinesische mangmang „unendlich“. Der Dichter Yang Lian erklärt im Lexikon der sperrigen Wörter (Stuttgart 2010, S. 149ff.), dass das älteste chinesische Zeichenlexikon, das Shuowen jiezi, das Zeichen als „extremes Ende von Gräsern“ definiere. Lian fährt fort: „Für sich genommen und in seiner nicht verdoppelten Form lässt dieses Schriftzeichen also an Begriffe wie „scharf“ oder „spitz“ denken und generiert in Verbindung mit einem weiteren Schriftzeichen Begriffe wie „Dorn“ oder „Speerspitze“. Aber wenn man inmitten eines weiten Feldes steht, wenn man den Wind über das türkisgrüne Meer blasen
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Rucksack der Flucht
(Polski: Bagaż – Übersetzung: Karolina Kuszyk) Karolina Kozak in einem Dörfchen vor Wrocław empfing uns, weil sie sich den Deutschen verbunden fühlte, in „deren Haus“ sie lebte. Sie empfand es noch immer so. Durch Dinge sprach sie mit mir: die alte schlesische Mohnmühle, die Bügel- und Plättvorrichtung aus grobem Holz im Schuppen, zwei dunkelgrüne Eimer mit dem Aufdruck „Schlesische Gießereien Liegnitz“. Recherchen für Romane folgen eigenen Gesetzen. Man sucht etwas, wovon man nur ahnt, was es sein könnte. In Polen fand ich die Vokabel ‚pjeroństwo‘ und ihr schlesisches Pendant ‚Pieronstwo‘ (Kram, Zeug), fand Bezeichnungen wie postniemiecki, post- oder nachdeutsch, für die Jahrzehnte,
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Breslau – Wroclaw 1945 (2)
(Polski: Breslau – Wroclaw 1945 Übersetzung: Karolina Kuszyk) Rauchend, staubig, chaotisch, ein von Menschenströmen durchzogener „Topf“. „Repatrianten“ treffen aus Ostpolen und dem sowjetischen Reich ein, Zuzügler aus Zentralpolen, Heimkehrer aus dem Westen. Durch die Straßen irren nichtvertriebene Deutsche, Zwangsarbeiter, kriegsgefangene Deutsche, befreite Kriegsgefangene der Deutschen, aus Lagern befreite Gefangene des Naziregimes, polnische und sowjetische Soldaten, Polizei und Geheimpolizei, elternlose Kinder und Jugendliche, Alte und Kranke, Menschen mit hybriden, gemischten Herkünften, jeder auf der Suche nach einem, „seinem“ Weg, aufgebrochen und zurückgeworfen, festgehalten, gestrandet, mittellos, zwischen marodierenden Banden von Dieben und Räubern, zwischen Hungernden, Mittellosen, Verletzten verletzt unterwegs. Viele der ostpolnischen Flüchtlinge
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Wroclaw 1945 (3)
Im Vorfeld der Reise war mir klar geworden, dass ich, was Schlesien betraf, für lange Zeit unbewusst, jedenfalls unbedacht, die Haltung meiner Großeltern übernommen hatte: dieses Land war untergegangen. Jetzt kam ich in der Wirklichkeit an: Wrocław im Sommer 1945.
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Breslau 1945
Ich bin acht oder neun Jahre alt, stehe im Wohnzimmer meiner Großeltern, Vater und Opa unterhalten sich.
Was ein Fest ist, weiß ich wohl. Doch eine Festung?
Der Buchumschlag, auf dem das Wort steht, verheißt nichts Gutes.
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Kriegskind
Kriegskind: Person, die in ihrer Kindheit durch Krieg und erste Nachkriegszeit geprägt und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt wurde. Durch die seit der Jahrtausendwende erschienenen Interview-Sachbücher von Sabine Bode wurde der Begriff allgemein bekannt (siehe etwa: Sabine Bode, Die vergessene Generation). Ein eigener Blick fällt auf die Generation der zwischen 1960-1975 geborenen, sogenannten Kriegsenkel. (siehe auch Postmemory). Bettina Albertis Buch „Seelische Trümmer. Geboren in den 50er- und 60er-Jahren: Die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas“, kenne ich noch nicht, es liegt auf meinem Schreibtisch.
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Recherche und Erfindung
Wroclaw, Ende Mai 2012. Bogna Piter schreibt ihre Abschlussarbeit über die deutschen Spuren an Häusern, zeigt mir Inschriften, alte Namenszüge. Ich sehe die Architektur eines ostmitteleuropäischen, katholischen, von Habsburg geprägten Stadtraumes, Bauspuren der technischen Preußen, Bauhaus und Jugendstil, frühen und späten Sozialismus, Platte und Prunk.
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